Morgennebel

Jetzt ist wieder die Zeit – fährt man morgens über die Landstraßen, ist er da, der Morgennebel. Weich liegt er auf hölzernen Zäunen und Gräben, wabert über die feuchten Straßen, bleibt an Büschen hängen und streckt seine langen Finger über die Wiesen aus.

Neulich beim Fahren kam mir der Gedanke, dass diese Gespinste aus Wassertröpfchen und Luft Gottes Träume sein könnten. Er träumt sie in klaren Nächten, wenn die Sterne am Himmel stehen und die Luft so klar und kalt ist, dass man die Milchstraße erkennen kann und manchmal Satelliten vorüberziehen sieht. Sanft sinken sie auf unsere Wiesen und verwandeln scharfe Konturen in federzarte Rundungen.

Schöne, stille Gedanken sind das, von großer Güte und Harmonie, und doch kristallklar wie Wassertropfen am Morgen. Und er hält sie nicht auf, lässt sie herabsinken für uns, damit wir kurz innehalten, früh, am Morgen, wenn wir schon keine Zeit mehr haben und eilig irgendwohin müssen. Damit wir sehen, wie schön ein Morgen in unserer Welt ist, welch ein lebendiges Wunder um uns herum, immer und immer wieder, jeden Tag neu.