Abschied im Guten

Dieses Wochenende ist jemand aus unserer Gemeinde gestorben. Ich finde, sie war eine außergewöhnliche Frau, und obwohl ich nie ein längeres Gespräch mit ihr geführt habe und auch keine nähere Beziehung zu ihr hatte, beschäftigt mich ihr Tod.
Sie war einer dieser Menschen, die Helligkeit um sich verbreitet haben. Man hat ihr gerne zugehört und sich gefreut, wenn sie einen begrüßt hat – und sie hat immer alle begrüßt. Jung war sie nicht mehr, 75 Jahre ist sie alt geworden, aber ihr Kopf war im Heute zuhause und ihr Herz war immer weit und sehr warm.
Einmal war sie in unserem Jugendkreis eingeladen, um etwas aus ihrem Leben zu erzählen, und dieser Abend zählt zu denen, die man nicht so schnell vergisst. In vielen Gesprächen fiel ihr Name, sie war eine Authorität für Menschen jeden Alters, und sie ist und bleibt ein Vorbild. Wie schafft man es, älter zu werden und das zu akzeptieren, die Erkenntnisse und Erfahrungen des Älterwerdens anzunehmen, dabei aber trotzdem geistig jung zu bleiben und sich ein weites Herz zu bewahren? Ihr ist es gelungen.
Die Menschen, die mit ihr zu tun hatten, ihre Verwandten und Freunde könnten sicherlich sehr viel mehr erzählen als ich, aber selbst meine wenigen Erfahrungen mit ihr waren etwas besonderes. Es schmerzt, dass sie schon gehen mußte, wir werden sie schrecklich vermissen. Aber sie ist da, wo sie hinwollte – und wir hatten sie eine lange Zeit hier, sie hat uns bereichert und uns vieles beigebracht. Das zu wissen, ist tröstlich.

Gemeinde – einer für alle, alle für einen

Am Wochenende bin ich in die Ferien gefahren – mit 53 weiteren Menschen (das war übrigens vor Corona). Nein, es war keine Massenflucht oder ähnliches, nur ein kleiner Pfingsturlaub mit vielen netten Menschen. Da ich mit für das Programm verantwortlich war , bin ich früher gefahren, in einem Auto, das bis zum Rand vollgestopft war mit Tüten, Taschen, Eimern, Schalen, Kisten, Stoffen, Mappen, Rucksäcken, Hüten (ja, Hüte – Strohhüte, um genau zu sein )… es war warm und kuschelig im Auto… wie es eben so ist, wenn man vorbereitet und für alle Eventualitäten gerüstet sein will.
Am Abend vorher habe ich gepackt und eine laaange Liste abgehakt, um ja nichts zu vergessen. Der Berg vor der Haustür wurde immer größer und leider auch immer schwerer, aber zum Schluß hatte ich alles. Dachte ich jedenfalls. Als wir uns dann nämlich am Abfahrtsort getroffen haben, um alle unsere Sachen zusammenzuschmeissen, fiel mir auf, dass ich die Glasmurmeln für die Murmelbahn vergessen hatte. Naja, nicht so schlimm, jemand anderes hatte Murmeln dabei.
Auf dem Weg zu unserem Ferienort fragte mich eine der Mitreisenden, ob ich eigentlich an die Plastikbecher gedacht hätte. Arghh. Nein, hatte ich nicht. Und auch nicht an die Strohhalme, die dazugehören. Hektisches telefonieren war die Folge, und infolgedessen stellte ich fest, dass das Mobilfunknetz in weit abgelegenen Gegenden nicht wirklich die reine Freude ist.
Als wir dann ankamen und die Räume besichtigt haben, kamen wir an einem Klavier vorbei, und meine Knie wurden weich – die Liederbücher! Ich hatte vergessen, die Liederbücher einzupacken! Und nun war es auch zu spät, um noch jemanden anzurufen… ich sah mich schon mit meinem einem, einzigen Buch da stehen, und hinter mir ein riesiger Pulk von Menschen, die alle verzweifelt versuchen, die nächste Liedzeile zu erhaschen… aber ein paar Stunden später sah ich die Bücher in einem Raum liegen – jemand anderes hatte daran gedacht.
Ist das nicht schön? Drei Dinge vergessen und trotzdem war zum Schluß alles da. Ich dachte, ich wäre allein verantwortlich – aber andere Menschen haben mitgedacht und waren hilfsbereit, und so war zum Schluß alles da. Genauso sollte Gemeinde sein – und nicht nur Gemeinde. Finde ich! Im Namen aller, die schon mal etwas vergessen haben.

Frühlingseinkauf

Frühlingseinkauf
 
Am Samstag war ich im Gartencenter. Eigentlich wollte ich nur zwei oder drei kleinere Dinge für ein Geburtstagsgeschenk suchen, aber das Center hat mich hinterrücks überrumpelt. Hinein ging ich nur mit meiner Geldbörse und guter Dinge, heraus kam ich mit einem Einkaufswagen, in dem sich:
 
a)     ein großer Metallkasten
b)     4 kleine Tontöpfe
c)     ein großer Topf Lavendel
d)     zwei Säcke Blumenerde
e)     6 Packungen Kräutersamen
f)      1 Zehnerpack Männertreu
g)     1 Miniwacholder
h)     1 undefinierbares, aber hübsches Gewächs von 5cm Größe und
i)      1 Blumentopfuntersatz
 
befanden. Wie konnte das passieren? Ich weiß es nicht. Vielleicht war die feuchte Gewächshausluft schuld, oder die Gene von Generationen von Ackerbauern haben rebelliert… ich weiß nur, irgendwann war egal, ob da nun noch Petersilie zum Lavendel dazukommt oder nicht. 
Später, als dann alles hübsch auf meinem Balkon verteilt, gepflanzt und ausgesät war, habe ich mich dabei ertappt, daß ich vor den Kästen mit Erde stand und mir besorgt überlegt habe, ob die Kleinen es wohl auch warm und feucht genug haben, und ab wann man wohl was sehen kann… und ob sie es überhaupt schaffen, groß und stark zu werden… und ob ich den richtigen Dünger genommen habe… 
So im Nachhinein stelle ich fest: Das hat ein bißchen Ähnlichkeit mit Gemeinde. Da fragt man sich solche Sachen auch: Haben die Leute es warm genug? Ist das, was wir tun, der richtige Weg für alle? Steht niemand auf dem Trockenen? Wie auch immer. Heute morgen habe ich mich unauffällig zur Balkontür geschlichen und nur einen ganz kurzen Blick rausgeworfen. Man weiß ja nie, Bodenfrost und so… vielleicht sollte ich doch noch den Heizstrahler rausstellen…