Einwecken

Es gibt so Zeiten im Leben, da ist man auf einmal völlig grundlos glücklich. Es gibt keinen Grund, keinen Anlaß, große erhellende Einsichten bleiben aus und auch das Wetter ist eher durchschnittlich. Und trotzdem! Man sitzt da, sieht den Regentropfen an der Fensterscheibe zu und ist zufrieden, ja, völlig unsinnigerweise sogar glücklich. Warum?
Eigentlich egal, dieser Zustand ist selten und deswegen zu hüten wie ein reifer Pfirsich, der auch so ziemlich alles übel nimmt. Ab und zu dauert dieser Zustand auch noch an – mehrere Tage oder vielleicht sogar mehrere Wochen. Dann hat man so ein weiches, ausgefülltes Gefühl in Kopf und Bauch, und man ertappt sich dabei, dass man lächelnd durch die Stadt läuft.
Leider geht das immer vorüber, und der übliche Alltag setzt wieder ein. Das ist nicht weiter schlimm, nur normal, aber es wäre doch schön, wenn man sich über die normale Erinnerung hinaus ab und an eine Portion reale, anfaßbare Erinnerung gönnen könnte – nur so, als kleine Überbrückungshilfe, wenn es mal wieder besonders alltäglich geworden ist. Man müßte dieses weiche, ausgefüllte Gefühl irgendwie aufbewahren können. In Einmachgläsern zum Beispiel. Ja! Da stünden dann nebeneinander:

Zufriedenheit & 2 Minuten Gelächter, eingeweckt am 03.02.
Oboenspieler gelauscht & 2 Euro gegeben, eingeweckt am 17.04.
Passanten angelächelt & Katze gestreichelt, eingeweckt am 23.07.
Schneeflocken auf der Nase & Schneestille, eingeweckt am 13.01.

Und so weiter. Und wenn man dann an einem grauen Morgen das dringende Bedürfnis verspürt, das Alltägliche etwas aufzupeppen, nimmt man eines der Gläser, öffnet es und atmet tief-seeeehr tief ein. Ehrlich, ich finde die gar nicht so schlecht, die Idee…