Königskinder

Königskinder

ihr Geliebten
kleidet euch in herzliches Erbarmen
Freundlichkeit
Sanftmut
streift über die Geduld
wie einen goldenen Mantel
ertragt euch gegenseitig
legt an die Liebe
das Band der Vollkommenheit
dankbar schwebe euer Atem
wie Gesang über den Frühlingswäldern

(nach Kol. 3, 12-17)

Seligpreisungen, aktuell

Selig sind,
die nicht das erstbeste miese Angebot annehmen,
ihnen gehört das Himmelreich.
Selig sind,
die keine Ausrede akzeptieren,
ihnen soll Gerechtigkeit widerfahren.
Selig sind,
die ein zweites und drittes Mal anfangen,
sie werden Barmherzigkeit finden.
Selig sind,
die Umwege in Kauf nehmen,
sie sollen getröstet werden.
Selig sind,
die das Licht nicht aus den Augen verlieren,
sie werden Kinder Gottes heißen.

Wie die ersten Lichtstrahlen

Der Herr
streut seine Worte wie die ersten Lichtstrahlen am Morgen
schenkt uns Gegenwart
birgt uns mit seinen Worten
wie unter einem Blätterdach im Regen.
Er erhellt unsere Wünsche mit seinen Blicken.
Wenn wir stolpern und fallen
tief hinab
spannt er ein Netz
setzt uns zurück mit schlagendem Herzen.
Über allem Land scheint hell sein Angesicht.
Wir schlafen tief und friedlich
dem neuen Tag entgegen.
So wird es sein.

(nach 4. Mose, 22-27)

Wüstenzeiten

in Wüstenzeiten vertrocke ich
werde brüchig
franse aus
meine Worte werden dürr
und fahl
dann kommst du
hauchst Morgentau
auf brennende Lider
tropfst Wasser in meine Schale
badest mein Herz
bis Wüstenworte knospen
unter heißer Sonne

Aus und vorbei

Aus und vorbei
ich habe Schluß gemacht
ich glaube nicht mehr
an Tageslese und Morgenstille
an Gottesdienst und Glockenläuten
an Abendmahl mit Papp-Oblaten
Ich glaube nicht mehr
an gefällige Gesellschaftsgebete
an gefaltete Hände unter gesenkten Köpfen
an leere Kirchen und Gebetsbücher mit Eselsohren
Ich glaube nicht mehr
an bunte Blätter die mir Leben versprechen
an Bücher die wissen wie mein Tag aussehen soll
an Lieder deren Inhalt ich nicht verstehe
Lieber Gott
mein Nichtwissen
meine Ratlosigkeit
meine Verlorenheit
meine halbfertigen Sätze und abgebrochenen Worte
die ich so gut kenne
an die glaube ich
Nichts kann ich mir mehr vormachen
nichts mehr zwischen uns schieben
wenn du nicht in jedem Seufzer
in jedem meiner Atemzüge bist
bist du nicht
Lieber Gott
an dich glaube ich mehr denn je

keine frage

sanft trudeln die worte in meinem bauch herum
pieksen hier drücken da
wellen der schmermut durchströmen mich warm
treiben mir das wasser in stirn und augen
bin zu klein für all das große in mir
fühle mich ausgebeult von emotionen
hasse all die leute um mich herum
mit ihren belanglosigkeiten
bin allein zurückgelassen worden
die einsamkeit ist grenzenlos
treibe allein im all
losgelöst von allem
was hält und liebt
bin nutz und hilflos
möchte mich in mir verkriechen
niemand kann mich finden
niemand sucht mich
ich möchte eine warme hand an meiner wange spüren
mich ankuscheln
den herzschlag hören
so bleiben eine ewigkeit lang
ich brauche einen gott und menschen zum leben
ob ich will oder nicht ist keine frage
meine existenz hängt daran